Wenn Geschichte lebendig wird – Schülerinnen und Schüler der Hermann-Neuton-Paulsen-Schule erzählen die Sturmflut von 1825 in neuen, fantasievollen Sagen

12.11.2025

Ein besonderer Abend im Bürgerhaus ließ am Mittwoch, den 12.11.2025, um 19:30 Uhr Geschichte lebendig werden. Unsere Schülerinnen und Schüler der Doppelklasse 5/6 präsentierten ihre selbstgeschriebenen Sagen – inspiriert von alten germanischen Erzählungen und vom historischen Sturmflutereignis des Jahres 1825, das Pellworm und die Halligen schwer getroffen hatte.

Mit großem Mut, Fantasie und spürbarer Begeisterung brachten die Kinder ihre kreativen und fantasievollen Texte auf die Bühne. Viele standen zum ersten Mal vor Publikum – und doch wuchsen sie über sich hinaus. Trotz Lampenfiebers zeigten sie eine beeindruckende Mischung aus Ausdruckskraft, Persönlichkeit und erzählerischem Talent. Jede Darbietung war einzigartig, und gemeinsam schufen die Schülerinnen und Schüler einen Abend, der das Publikum tief berührte.

Besonders schön war das Miteinander der beiden Jahrgänge: Die neuen Fünftklässler, die erst seit Kurzem Teil der Klasse sind, führten durch den Abend. In kleinen Interviews befragten sie die Sechstklässler, die ihre eigenen Sagen verfasst hatten – über Götter und Mächte, über sagenhafte Orte, über Mut, Verlust und Neubeginn. Dadurch entstand ein lebendiger Austausch, der das Publikum auf die Geschichten einstimmte und gleichzeitig zeigte, wie intensiv sich die Kinder mit ihren Themen auseinandergesetzt hatten.

Auch im Kunstunterricht wurde das Projekt fachübergreifend weitergeführt. Unter der Leitung von Regine Neunzig entstanden farbenfrohe Plastiken aus bunt bemaltem Schaumstoff – Wellen, Sturmfluten, Inseln und mythische Gestalten. Diese Kunstwerke wurden während der Aufführung auf die Leinwand projiziert und ließen die Bühne in ein stimmungsvolles Gesamtbild aus Licht, Farbe und Fantasie eintauchen.

Begleitet wurde das Projekt von Angela van Dijk, der Vorsitzenden des Kulturausschusses der Gemeinde Pellworm, die die kreative Idee von Beginn an unterstützte. Ein herzlicher Dank gilt auch Magdalena Hanft von der Gemeinde, die im Hintergrund für Organisation und Ablauf sorgte. Jan Onnasch und Thomas Tallowitz kümmerten sich als Tontechniker mit viel Engagement für ein stimmiges Farb- und Klangbild, das beeindruckte.

Natürlich war allen Beteiligten bewusst, dass im Jahr 1825 längst niemand mehr an germanische Götter glaubte. Diese Vorstellungen prägten die nordische Welt bis etwa ins 5. Jahrhundert n.Chr., bevor zwischen 800 und 1000 n.Chr. das Christentum auch in Nordfriesland Fuß fasste. Diese historische Freiheit haben die Schülerinnen und Schüler bewusst genutzt: Sie verbanden ein reales, tragisches Ereignis mit der mythischen Gedankenwelt früherer Zeiten – und schufen so eine neue, kreative Perspektive auf das Vergangene.

Das Publikum zeigte sich begeistert: Die Aufführung war kurzweilig, tiefgründig und überraschend zugleich – eine Verbindung aus Geschichte, Kunst und Fantasie, die viele berührte. Es war spürbar, wie viel Herzblut, Neugier und Eigeninitiative in diesem Projekt steckten. So entstand ein Abend, der nicht nur künstlerisch beeindruckte, sondern auch zeigte, wie lebendig Lernen und gemeinsames Schaffen sein können.

Ein Abend, der in Erinnerung bleibt – weil er bewiesen hat, dass Kreativität die Vergangenheit neu zum Sprechen bringen kann.

M. Bürger