„Bonjour Pay de la Loire!“ – Hermann-Neuton-Paulsen-Schule knüpft deutsch-französische Freundschaft in Héric

Seit vielen Jahren gab es an der Hermann-Neuton-Paulsen-Schule immer wieder den Wunsch, einen europäischen Austausch aufzubauen. Verschiedene Ideen wurden entwickelt – doch letztlich kam ein Austausch nie zustande. Erst mit der Aufnahme der Schule in das Erasmus+-Programm erhielt dieses Vorhaben dieses Schuljahr neuen Schwung. Bei Erasmus+ steht die Begegnung im Vordergrund – dabei sind englische, deutsche und französische Sprachkenntnisse Türöffner für interkulturelle Begegnungen. 

So reiste nun eine kleine Delegation unserer Schule nach Héric, an das Marcelle-Baron-Collège, um dort erste persönliche Kontakte zu knüpfen und den großen Austausch der Klassen 7 bis 10 im Juni 2027 vorzubereiten.

Neben dem Schulleiter Markus Bürger waren auch die Französischlehrerin Andrea Martensen sowie die Schülerinnen Imke Ronnebeck und Marlene Zetl, Klasse 8 und die Schüler Louis Harrsen und Piet Rathjen, Klasse 9, mit dabei. Schon die Reise war ein kleines Abenteuer: Gemeinsam mit 84 weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Programms ging es – organisiert durch das Kieler Bildungsministerium – über Brüssel ins Pay de la Loire. In Nantes angekommen, wurden die Gruppen herzlich empfangen und wir nach Héric gebracht, während andere Teilnehmer in andere Gebiete der Partnerregion reisten.

Natürlich war zu Beginn vieles offen: Wie wird die Begegnung verlaufen? Wird die Schule ähnlich offen und interessiert sein wie wir? Passt es menschlich? Doch schon nach kurzer Zeit waren alle Zweifel verschwunden. Die Offenheit, Herzlichkeit und Gastfreundschaft der französischen Gastgeberinnen und Gastgeber beeindruckten die Pellwormer Delegation tief.

Im Mittelpunkt der ersten Tage stand zunächst das Kennenlernen des Schulalltags am  Marcelle-Baron-Collège. Begrüßt wurde die Gruppe von der Schulleiterin Véronique Vastel und ihrem Stellvertreter Fabien Ménéghetti und der Deutschlehrerin Astrid Stopka, die sich beherzt für die Anbahnung des Kontakts engagierte. Schnell entwickelte sich aus dem ersten vorsichtigen Austausch ein herzliches und vertrauensvolles Miteinander. Es wurde deutlich, dass beide Schulen ähnliche Werte und Ziele teilen und großen Wert auf Offenheit, kulturellen Austausch und ein gutes Miteinander legen. 

Besonders beeindruckend war die moderne Ausstattung der Schule. Man spürt dort unmittelbar, welchen hohen Stellenwert Bildung in Frankreich besitzt. Zum Schulteam gehören unter anderem eine eigene Berufsberatungspsychologin, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, eine ganztägig besetzte Bücherei sowie eine Schulkrankenschwester, die zusätzlich Präventionsarbeit leistet. Auch die neu gebauten Gebäude und die angenehme Lernatmosphäre hinterließen großen Eindruck.

Ein täglicher Höhepunkt war das gemeinsame Mittagessen in der Mensa. Frisch gekocht von einem engagierten Küchenteam – unter der Leitung eines Chefkochs mit gastronomischer Erfahrung – wurde das Essen zu einem wichtigen Teil des gemeinschaftlichen Schullebens.

Sehr spannend war auch der Besuch der französischen Vorschule und Grundschule. Dort beginnt die schulische Förderung bereits sehr früh. Die Kinder lernen schon im Vorschulalter spielerisch lesen, schreiben und rechnen. Dadurch kommen alle Schülerinnen und Schüler bereits mit bemerkenswerten Fähigkeiten und großer Selbstständigkeit in die erste Klasse. Für die Besucherinnen und Besucher aus Pellworm war es beeindruckend zu sehen, mit welcher Motivation und Ruhe die Kinder lernen.

Weitere Tage standen im Zeichen intensiver Hospitationen im Unterricht. Dabei wurde deutlich, wie zentral das französische Bildungssystem organisiert ist und wie stark Inhalte sowie Unterrichtsmaterialien vorgegeben werden. Gleichzeitig erlebte die Delegation einen sehr strukturierten Unterricht und eine große Wertschätzung gegenüber Schule und Bildung. Auch die Oberstufe im Nachbarort wurde besucht, um einen umfassenden Einblick in das französische Schulsystem zu erhalten.

Neben den Schulbesuchen blieb natürlich auch Zeit, die Region Pay de la Loire und Nantes kennenzulernen. Eine deutsch-französische Lehrerin, Astrid Stopka, zeigte der Gruppe die wunderschöne Stadt Nantes mit ihrer Markthalle, den kulinarischen Spezialitäten der Region und einer Bootsfahrt auf der Loire. Ein gemeinsames Mittagessen im traditionsreichen Jugendstilrestaurant „La Cigale“ – übersetzt „Die Zikade“ – bleibt sicherlich allen lange in Erinnerung.

Ein weiterer Höhepunkt war der Ausflug nach Saint-Nazaire. Dort besichtigte die Gruppe den gewaltigen ehemaligen U-Boot-Hafen der Nazis aus dem Zweiten Weltkrieg, der heute zugleich Kulturort und martialisches Mahnmal ist und immer noch als U-Boothafen in Betrieb ist. Anschließend führte die Reise weiter an die Atlantikküste nach La Baule mit seinem kilometerlangen feinen Sandstrand – einem der schönsten Strände Europas. Ebenfalls besucht wurde die mittelalterliche Stadt Guérande, die für ihre historischen Salzgärten und ihr berühmtes Meersalz bekannt ist.

Auch die Rückreise blieb eindrucksvoll: In Frankreich nahm die Gruppe noch an den Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag der Kapitulation Deutschlands teil, bevor es über Brügge zurück nach Nordfriesland ging. Nach einer letzten Übernachtung in Husum kehrte die Delegation schließlich voller Eindrücke nach Pellworm zurück.

Während der gesamten Reise stand jedoch vor allem eines im Mittelpunkt: die deutsch-französische Freundschaft. Zwischen der Delegation der Hermann-Neuton-Paulsen-Schule und dem Marcelle-Baron-Collège in Héric entwickelte sich schnell eine große gegenseitige Sympathie. Besonders die Herzlichkeit und Offenheit von Véronique Vastel berührte die Gruppe sehr. Gemeinsam wurden bereits erste Ideen für den großen Austausch im Juni 2027 entwickelt – ebenso wurde Pläne geschmiedet für einen Gegenbesuch auf Pellworm.

Diese Reise hat eindrucksvoll gezeigt, wie wertvoll kultureller Austausch ist: andere Länder kennenlernen, neue Perspektiven gewinnen, Gemeinsamkeiten entdecken und Freundschaften entstehen lassen. Gerade in einer Zeit, in der Europa vor vielen Herausforderungen steht, sind solche Begegnungen wichtiger denn je. 

Besonders schön war, dass die Schülerinnen und Schüler aktiv an der Reise beteiligt waren. Sie brachten eigene Ideen ein, beobachteten aufmerksam und gestalteten die Begegnungen mit. Denn genau darum geht es bei Erasmus+: junge Menschen zusammenzubringen, Grenzen zu überwinden und gemeinsam Zukunft zu gestalten.

Eines wurde auf dieser Reise ganz deutlich: Dies war nicht nur der Beginn eines Schüleraustauschs – sondern vielleicht der Anfang einer echten deutsch-französischen Freundschaft.